Beitrag von Randy Conley

Steigert negatives und kritisches Verhalten Deine Führungsstärke?

Hast Du Dich jemals gefragt, warum so viele negative und kritisch denkende Führer an die Macht zu kommen scheinen? Jüngste Forschungsergebnisse helfen die Ursache zu verstehen. Es hat sich gezeigt, dass wir, obwohl wir behaupten mitfühlende und verständnisvolle Leader zu bevorzugen, pessimistische Führungspersönlichkeiten als mächtiger wahrnehmen als ihre unkritischen Kollegen.

In einer Reihe von Studien war eine besonders deutlich in ihrem Ergebnis. In dieser Studie beurteilten 518 Teilnehmer vier Aussage-Paare, die von ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten in Fernseh-Debatten geäußert wurden. Weder die Namen der Kandidaten, noch der Zeitpunkt der Debatte wurde bekannt gegeben. Die Aussage-Paare enthielten jeweils eine Äußerung, die positiv und unterstützend für die Zukunft Amerikas war, während die andere negativ und kritisch war. Die Teilnehmer wurden gebeten zu bewerten, für wie mächtig sie den Kandidaten hielten, wie effektiv sie dachten, dass die Person im Amt sein würde, und ob sie für die jeweilige Person ihre Stimme geben würden oder nicht.

Im Vergleich zu den Präsidentschaftskandidaten, die positive Aussagen machten, bewerteten Teilnehmer die Pessimisten als mächtiger. Sie hielten es für wahrscheinlicher, dass sie im Amt effektiv wären und hätten ihnen auch eher ihre Stimme gegeben. In weiteren Studien in einem anderen Zusammenhang, wie einem Kunst- oder Sozial-Kontext bewerteten die Teilnehmer den Nörgler konsequent als mächtiger, wenn auch weniger sympathisch als sein neutrales oder positives Gegenstück.

Warum nehmen wir Pessimisten als mächtiger wahr?

Die Forscherin Eileen Y. Chou verdeutlicht die Ursache dafür in der menschlichen Psychologie. Wir nehmen Pessimisten als unabhängiger wahr, bereit, ihre Meinung zu sagen und bereit dazu, „auszusprechen, wie es ist“. Sie werden als stark genug wahrgenommen, um nicht an normative Zwänge oder Ressourcen gebunden zu sein. Diese Wahrnehmung von Macht zeigte sich am stärksten bei Menschen, die sich extrem benachteiligt fühlten. Die Benachteiligten nehmen den Pessimisten als jemanden wahr, der bereit ist, der Macht die Stirn zu bieten und den Status quo zu durchbrechen.

Solltest Du also mehr Negativität in Deinen Führungsstil aufnehmen, um mächtiger zu werden? Mal sehen… Wie kann ich das auf eine sensible, umsichtige und diplomatische Weise formulieren?

NEIN!

Sicher, es gibt Zeiten in denen schonungslose Offenheit in der Kommunikation von Führungskräften sehr wichtig ist. Manager, die die Wahrheit beschönigen und versuchen, ihre Leute dazu zu bringen, zu glauben, alles sei 'eitel Sonnenschein', werden als realitätsfern, falsch und inkompetent wahrgenommen. Führungskräfte haben die Verpflichtung, gegenüber ihren Mitarbeitern auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, müssen aber auch dazu in der Lage sein, Hoffnung auf eine bessere Zukunft wecken zu können. Ständige Negativität und Kritik hat zur Folge, dass Führungskräfte als unzufrieden wahrgenommen werden. Ihre Mitarbeiter werden ihnen früher oder später ihre Unterstützung entziehen.

Über die Wirkung negativer Chefs hinaus, gibt es für mich ein grundlegenderes Thema, nämlich das Verhältnis eines Führers zu seiner Macht. Macht ist ein Teil der Führung und kann auf konstruktive und destruktive Weise eingesetzt werden. Der höchste Nutzen der Macht liegt darin, anderen zu dienen. Es gibt noble und uneigennützige Wege, Macht zu gewinnen und aufrechtzuerhalten, um sie Anderen zugutekommen zu lassen.

Man braucht nur der politischen Rhetorik dieser Tage zuzuhören, um die schädlichen Auswirkungen einer nörgelnden schwarz-seherischen Führung zu erkennen. Ständige Kritik, Negativität und Fehlersuche appelliert an die niedersten Instinkte der Menschheit. Die erfolgreichsten und beständigsten Leader vereinen Menschen durch eine gemeinsame Vision von einem vielversprechenderen Morgen und rufen dazu auf, das Beste in uns hervor zu holen, um über uns selbst hinauszuwachsen. Abraham Lincoln brachte das in seiner Amtseinführungsrede als "call to the better angels of our nature" zum Ausdruck.

Randy Conley ist Vice President of Client Services und Trust Practice Leader bei The Ken Blanchard Companies.

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